Atom

16 August 2016

Atomkraft versorgt mit Energie - die Debatte über selbige verbraucht sie
Bedarf und Anspruch von Energie bildet sich aufgrund der historisch gewachsenen Infrastruktur im Rahmen der länderspezifischen Verhältnisse nach Innen und nach Außen, sowie aufgrund der Vorstellungen die sich darauf basierend verwirklichen. Jede Wirtschaftseinheit lebt in ihren eigenen Umständen und Möglichkeiten was die Energieversorgung und die diesbezüglichen Ansprüche betrifft. Die Vorstellung von einem Resultat energetischer Infrastrukturfragen ergibt sich gemeinhin im Rahmen des gesellschaftlichen Gefüges (oft zusammengefasst als Land, als Union oder dergleichen), dessen Aspekte und Perspektiven sich um die Sache herum auf einen Nenner einpendeln. Inmitten dieser Strukturen bewegen sich jene Perspektiven die zurück schauen und die nach vorne schauen, Perspektiven die sich auf gemachte Erfahrungen berufen und Perspektiven die sich mit Erwartungen und Ansprüche an Zukünftigem eine Vorausschau erlauben. Es erwachsen Perspektiven die etwas befürworten und Perspektiven die aus dem Befürwortenden oft einen Anlass zum Widerstreben erkennen; und umgekehrt. Oftmals wohl nicht deshalb weil dieses oder jenes eben für richtig erachtet sei, sondern weil das Andere vielleicht eher verneint empfunden wird. Und so ist die beispielhafte Frage eines Endlagers, vielleicht vielmehr auch eine Frage nach dem endlichen Lager eines schon allzu lange währenden „Dagegen“. Jener weltumspannende Versuch das „Dagegen“ endlich irgendwohin verschwinden zu lassen, ob nun hier oder dort. Jede Meinung zum Für und zum Wider spaltet die Atome dabei nur weiter auf ein Neues und die Debatte manifestiert einen verhärteten Konflikt und ein historisch komplexes Erbe. Jene Debatte verwirklicht sich über die Zeit so zu einer - mit immer zahlreicheren Gründen angereichte - Verlagerung von Problemen und aktiviert (immer wieder neue) Radiostimmen und dergleichen. Die Verlagerung von Problemen gebiert sich aus dem Ansinnen einer Endlagerung von Problemen und das Endlagern und das Verlagern, belagern sich in erster Linie nur gegenseitig. Ist es etwa auch ein Schalk der dabei vielleicht meine, dass die Endlager-Frage wohlmöglich schon einen trüben und undurchsichtigen Selbstzweck erschaffen hätte, dessen verwirklichter Schatten es verstünde die Dinge möglichst komplex und konträr zu erhalten und ein vielleicht einmal klares Ansinnen einer wirklichen und augenblicklichen Verantwortungsbereitschaft, immer mehr in jenen Schatten drängt? Ist denn die schließliche Antwort auf jene ewige Frage eines Endlagers nicht eben jene, die sich dafür bereit zeigt das Erbe augenblicklich und auf der Stelle zu schlucken, ohne weitere Neins, Ängste und Zweifel?

Einfach „Ja“ sagen
Vielleicht ist dabei auch zu erkennen das es weniger die Frage von Aspekten der Lagerung eines Atomkraftmülls wäre (also beispielsweise auch Fragen der Sicherheit, der Lagerung, des Transportes und dergleichen), sondern das es vielmehr der latent spaltende Charakter und das stete Für und das Wider dieser Angelegenheit sei, welches die eigentliche Erforderlichkeit und die Förderlichkeit einer abschließenden Lösung abbildet. Eine Sache die eine Notwendigkeit einer abschließenden Lagerung über Jahrzehnte hinweg nahezu weltumspannend zu suggerieren scheint und sich dabei aber scheinbar auftürmend durch Konflikte und Gegendarstellungen selbst nur fortschreibt, untergräbt vielleicht eher das unzweifelhafte Verständnis einer kollektiven und selbstverständlichen Übernahme von Verantwortung für geerbte und gelebte (Alt)lasten. Dort wo sich Zweifel und Ängste vergangener Taten, mit einer Vorstellung vereint man müsse doch etwas abschließend ablagern, dort manifestiert sich in Anbetracht des fortwährenden Widerstrebens wohl vornehmlich nur jene Bedeutung von Zweifel und Angst, welche sich durch die scheinbar nicht mögliche Endlagerung nur noch bestärkt empfände.

Fragliche Fragen der Nutzung
Was die Nutzung der Atomenergie betrifft so ist wohl inmitten eines Themas in dem Richtig und Falsch schon lange dahingegangen scheinen und indem sich Erfahrung und Erwartung mit unzähligen individuellen, elektrifizierenden Eindrücken und impulsiven Emotionen verbinden, fraglich was noch je wahrhaft im Sinne eines allgemeingültig Richtig erachteten getan werden könne. Es ist vielleicht auch bezüglich der gesellschaftlichen Nutzung zu verstehen, dass die Energie sich einfach mal selbst erhält. Im Spannungsfeld aus Ausstieg und Einstieg findet sich die Antwort vielleicht weniger an den Polen dieser beiden Stiege, sondern vielleicht vielmehr auf den Sprossen dazwischen, welche die Menschen in der Gesellschaft mittels „tendenzimmanenter“ Denk- und Verhaltensweisen betreten. Die dabei zeitlich und räumlich definierten Schritte ließen dann den Anschein erwachsen entweder zu dieser oder zu jener Energieform mit ihren spezifischen Kapazitäten und Verfügbarkeiten zu streben, was sich dann wieder in Perspektiven eines Ausstieges bzw. eines Einstiges der konkreten Form der Atomenergie übertragen ließe. Die Frage des Einstieges oder Ausstieges ist damit weniger durch jene Frage und deren unzählig vielfältigen Antworten selbst beschrieben, als sie vielmehr erst beschrieben wird, indem Debattenbeteiligte meinten sie würden konkrete Muster von Nutzern und Verbrauchern verstehen können. So überträgt sich ein urteilendes Raster das sich zwischen den Polen bewegt, allein durch Betrachtung und Meinung Debattierender, die ihrerseits meinten sie könnten verstehen was in der Gesellschaft vor sich ginge. Sind es also die Nutzer und Verbraucher die über das was sie nutzen entscheiden, oder wären es nicht vielmehr die Debattierenden die ein scheinbar selbstgerechtes Recht hätten etwas zu meinen? Also: Bestimmt der Verbraucher die Verbrauchsform, oder bestimmt ein Verbraucher von Verbrauchern, über die Verbrauchsform des Verbrauchers?

Unmöglichkeit der wohlmöglich- einseitigen Wahrheit
Die Frage ist vielleicht auch so zu verstehen: Soll es weiterhin ermöglicht sein jene großen oder größeren Schritte zu den entsprechenden Zeitpunkten (auch weiterhin) machen zu können, oder übt man sich im relativen Gefälle seiner Leibgebundenen Komfortzonen genügsamer und duldsamer? Einerseits zu verstehen dass jene Dinge, die sich über die Zeit gesellschaftlich entwickeln und fortbauen schließlich auch ihren zeitgemäß eigenen Ausstieg aufbauen und tätigen, sei wohl kein Widerspruch. Eine etwaige Perspektive die im Falle eines derartigen Ausstiegs von reduzierten Möglichkeiten spräche, verneint die Welt wohl faktisch gesehen auf den ersten Blick und blickt nicht bejahend auf die daraus erwachsenden Möglichkeiten. Ist jener verneinende Blick nicht vornehmlich getrieben von Ängsten und Befürchtungen etwas nicht erhalten zu können, sowie getrieben von Erwartungen und Ansprüchen? Überdies: kann ein solcher Blick nicht eben nur in eine Verwirklichung von Ängsten, Befürchtungen, Zweifeln und dergleichen führen? Liegt eine derartige Manifestierung wirklich im klaren Sinn der Sache, oder macht sich dadurch nicht vielmehr ein Unsinn und eine Unklarheit wahr, die sich nur selbst nicht erkennt und ihre eigene zweifelnde Geschichte schreibt, statt das Leben einfach zu leben? Gleichsam gilt für die rein perspektivische Betrachtung wohl aber auch, dass ein etwaiges Propagieren und Befürworten eines Ausstieges, ebenfalls aus denselben vorgezeichneten Motiven heraus entstehen könne, indem sich Standpunkte der etwaigen (Un)-Sicherheit, oder einer etwaigen (Nicht)-Nachhaltigkeit anführen ließen. Eine Sicherheit ist diesbezüglich vielleicht auch stets darüber beschrieben, wie sicher im Sinne einer Vorstellung von Beständigkeit damit geplant, umgegangen und agiert sei. Ferner scheint eine diesbezügliche Nachhaltigkeit ein Vermögen dafür zu sein, welche verwirklichten Konsequenzen eines Handels man dabei tragen zu können glaubt bzw. den nachfolgenden Generationen mit guten Gewissen eines umfassenden Geistes, zum Tragen weiterzugeben vermag. Wie auch immer: umfassend betrachtet haben jene vorgenannt beispielhaften Dinge wohl keinen objektiven Charakter und keine standpunktbezogene Wahrheit; sie entstehen durch die Summe der Betrachtung aller gesellschaftlichen Akteure und Perspektiven, ob sie nun auch für oder gegen einen Ausstieg Stellung bezögen. Eine Inanspruchnahme derartig gemeinsamer Betrachtungen von nur „einer Seite“ die sich im Sinne einer Wahrheitsfindung wähnt, scheint per se paradox und unmöglich.

Was bleibt ist wohl was immer schon war – aber sich vielleicht nicht immer so sah
Zum einen: Ja sagen und das Wettrüsten der widerstrebenden Perspektiven und der aufkeimenden Verneinung auflösen. Und auch: Durch das eigene Leben den Weg für allzu große Fragen des energetischen Weges erkennen lassen und das Leben nicht zu einer ewigen Frage (nach dem allerletzten Endlager) machen.


Bilder: Unsplash (CC0)

Weiterführende Informationen: -

“Warum ferne Ziele suchen wenn es sich auf dem Weg findet?”