Geglaubtes zur Glaubensfreiheit

20 August 2016

Fragliche Rückbesinnung?
Wer eine „Rückbesinnung“ anführt gibt wohl eine unzulängliche Anschauung des gegenwärtigen Sinnes preis. Wer meint etwas (und sei es ein Sinn) von irgendwoher (und sei es die Vergangenheit), wieder holen zu müssen, nährt Empfindungen und Perspektiven eines Verlustes und macht aus dem Leben das eines Ewiggestrigen. Eine derart eingeleitete Erklärung im hier und jetzt der Welt, öffnete wohl unmittelbar die Pforten zu den Grabstätten der Vergangenheit und bäte allerhand Geschichten von Gestern an den erklärten Versammlungstisch des Heute, die sich mit einem kalten Hauch der Verwesung zu Wort zu melden wüssten.
Es ließe sich aus Vergangenheit und Reflektion sehr wohl lernen, doch empfehle sich wohl eine Grundlage, welche die gegenwärtige Gesellschaft nicht einen richtigen Sinn abspräche; nicht einmal in indirekter Weise über das vermeintliche Brauchtum einer Rückbesinnung.

Wer ist da? Alle?
Es sei auch einmal gefragt, wer denn wie von Glaubensfreiheit debattiere, sie als Grundrecht zu nennen anführt und sie von Vorstellungen eines Extremismus und Missbrauches abzugrenzen beanspruche.
Ist denn jene Glaubensfreiheit die sich tatsächlich als „frei“ versteht nicht vielmehr eben dadurch wirklich „frei“, indem sie alle rein mit ihren (Unter)-Bewusstsein glaubenden (und nicht einmal handelnden) Menschen, in Bezug auf Ihr Verständnis einer freien Glaubensmöglichkeit berücksichtigt? Sofern sich ein erlauchter Kreis nun herausnähme, die Bedeutungen jener Glaubensfreiheit für sich zu beanspruchen, so wird wohl aus dem Verständnis einer Freiheit der Einen, gleichzeitig eine Unfreiheit der Anderen; also derer die sich vielleicht außerhalb der vermeintlich Erlauchten befänden.
Was wäre in dieser Konstellation nun aber wirklich frei an einem Glauben, außer den vier Buchstaben die dieses Wort wohl weiterhin für alle gemeinsam noch beschreiben könnten?

Es könne sich wohl allgemein sogar so darstellen, als hätte das, was ein Mensch in äußerer Form darbringt bzw. das was in eines Menschen scheinbaren Handlungen vielleicht gedeutet werden könnte, keinen kausalen und keinen wirklichen Bezug zu dem einen Glaubenverständnis, das wenn überhaupt nur frei zu sein vermag. Denn dieser eine Glaube wurzelt dort wo Form und Ausdruck weder Platz noch Möglichkeit zum vermutlichen und deutungsbezogenen Ausdruck hätten.
Demgemäß wäre also schon die Verbindung des Glaubens eines Menschen, mit dem Urteil was ein (weiterer) betrachtender Mensch sich diesbezüglich vielleicht anzueignen gedächte ein Trugschluss. Und die Auswirkungen jenes Trugschluss erschienen umso umfassender, je weiter sich dieser Irrtum in vermeintliche Wahrheiten und wahre Empfindungen vervielfältige, dessen Produkt dann wohlmöglich in einen Ausdruck mündet, der gänzlich umfassend solche Sachen wie „vielfältige Bedrohung“ zu erkennen meint.
Jenes was dann die „vielfältigen Bedrohungen“ nun durch allerhand Griffe aus dem Unklaren eigens verwirklichte, stellt sich überdies nun gar als Retter und Beschützer dar und bestrebt sich durch Stärke einen Eindruck bei denjenigen zu verschaffen, welche man gerade noch mit dem eisigen und beängstigenden Hauch angesprochen hatte. Was solle man davon denn nun halten?

Alles (Un)Klar?
Die Dinge die aus einem derartigen Verständnis vielleicht erwachsen und sich in konkreten Maßnahmen auszudrücken verstünden, schienen unabhängig von ihrem etwaigen wohlbegründet oder auch nicht wohlbegründet sein, wohl fortan markiert mit dem einst ausgesäten Irrtum. Was bliebe wohl von einer suggerierten Klarheit der Maßnahmen übrig, wenn das grundlegende Vertändnis auf Undurchsichtigkeit beruht und wie schmeckt wohl das Korn im späteren Brotlaib, dessen Keim sich keinen Reim von sich selbst machen konnte?
Menschen die wahrhaft zu glauben verstehen; also jene Geschöpfe die nicht meinten einen Glauben durch Formen und Handlungen Ausdruck verleihen zu müssen oder ihn bei anderen erkennen zu können bzw. zu deuten, jene hätten wohl eine Bedeutung der Glaubensfreiheit erreicht. Das was sich hingegen mit der Bedeutung einer Glaubensfreiheit inmitten der Ausdrücke und der Werturteile gegenseitig mit Wahrheiten und Abgrenzungen belagert, lagert sich selbst nicht im Lager einer Glaubensfreiheit, sondern bedient sich ihrer Waren nachdem sie herrschend in Form und Ausdruck verdingt sind. Was dabei wohlmöglich noch meint sich gegen diesen oder jenen Ausdruck „stärken“ zu müssen, erliegt wohl zuerst einmal seiner eigenen Einbildungswelt und bildet damit auch all jenen ein Bild, die an der Welt jenes "Eingebildeten" teilnehmen.
Gemäß dieser Erörterung scheint es sich dabei auch unerheblich darzustellen, ob jener vermeintliche Ausdruck eines Glaubens nun in Form einer vollständigen Verschleierung erfolgen würde, oder in Form eines handballengroßen Kruzifixes, das sich gülden und silbern um den Halse trägt und einem entgegenkommenden Autofahrer im reflektierenden Sonnenlicht vielleicht einmal blenden könnte.
Es sei vielleicht von jedem Menschen der sich glaubend und frei verstehen möchte einmal selbst zu prüfen, wie es je sein könne, das sich der Glaube über Form und gedeutete Handlungen beanspruchen ließe. Einen Glauben derart mit Bedeutungen, Begriffen und Ausdrücken beherrschbar zu machen, hieße auch, sich diktierend an Formen und Ausdrücke zu knüpfen und sich mit diesem Diktat in Schubladen stecken zu lassen. Einmal in einer derartigen Schublade angekommen haftet es sich vielleicht allzu blind an der zuvor aus der Unklarheit entsprungenen Ordnung des Irrtums, die dort nach Belieben zu walten fähig scheint und die hier einmal diesen Augenschein willkommen heißt und dort einmal jenen Augenschein ausschließt. Daher: Wer versteht das er in der Schublade ist, tut wohl gut daran nach Möglichkeit den richtigen Griff zu finden, statt sich im steten Öffnen und Schließen der Schublade irgendwo inmitten der darinbefindlichen und aufgestauten Dinge zu verlieren.

Sicherere Sicherheit
Abschließend zu diesem Beitrag sei auch noch einmal die Frage aufgebracht wie sich Sicherheit einer Gesellschaft denn wirklich darstellen könne? Ist es nicht als sicher zu verstehen wenn es keiner zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen bedarf und sind zusätzlich einzuräumende Kapazitäten diesbezüglich nicht stets nur ein Ausdruck der Unsicherheit, die sich nur mit den Federn der Bedeutung einer Sicherheit schmückt?
Es könne ja vielleicht sein das die Maßnahmen auf konkrete Situationen derart zu wirken scheinen und die "leiblichen Gesetzmäßigkeiten" im Sinne der Existenz eines Menschen für den Augenblick milderten, aber wo bliebe im Zuge eines Auftürmenden, eines Flickendenden und eines Gegensteuernden, das grundlegende Wesen der Sicherheit, das einfach nur sicher ist und zwar so sicher das es keinem Ausdruck bedarf; erst recht nicht als verdingtes Gegenstreben? Sei es denn im klaren Schein der Dinge wirklich heilvoll und angeraten, die Angelegenheit einer gesellschaftlichen Sicherheit, maßgeblich von einem gegenteiligen Verständnis einer Unsicherheit in Anspruch nehmen und sich beschrieben zu lassen und sie derart in eine Spirale aus immer mehr geglaubter Notwendigkeit aufgrund von Unsicherheiten, "schwarz" werden zu lassen?
Um diese Sache nun mit dem menschlich Essentiellen in möglichst positiver Form zu beschließen, sei noch einmal der Bezug zur Liebe gefunden. Denn es ließe sich anhand dieser Sache leicht beantworten, das es wohl im Wesen der Liebe steht, frei aus sich selbst gewirkt zu sein ohne verwurzeltes "dagegen". Das Wesen sei keinesfalls vorrangig darüber beschrieben, sich gegen etwas aufzulehnen und dabei nur einen kämpferischen Charakter zu bilden, sich demgemäß aus einer Gegensätzlichkeit heraus darzustellen und sich in der Bedeutung nur zu stark daran zu binden, was zu einer stets negativ verknüpften Orientierung zu führen scheint. Es ist derart wohl nur verständlich, dass es nicht im vorrangigen Sinn der Liebe ist sich gegen etwas „Präsentes“ zu stärken und sich mit immer mehr förmlichen Bekundungen gegen Abneigung, Gewalt und derlei aufzutürmen, sondern das die Liebe als unerschöpfliche, nicht nachbildbare und essentielle Kraft zu verstehen sei, die in der richtigen Wirkung und im richtigen Verstehen keine Gegensätzlichkeit verwirklicht und somit nichts zu besänftigen hätte, sondern nur frei und ungehindert einfach und unverfälscht lebt und dem Menschen sein Wesen verkörpern lässt.
Auf jene Weise könne man eben auch einmal die gesellschaftliche Sicherheit betrachten; denn die Dinge der Welt sind weniger natürlich komplex, als künstlich komplex gedacht und derart in unzählige Bedeutungen vervielfältigt.

Bilder: Unsplash (CC0)

Weiterführende Informationen: -

“Warum ferne Ziele suchen wenn die gesuchten Dinge auf dem Weg liegen?”