Informationslogistik

20 September 2016

Eine moderne Gesellschaft, ob in Form eines Unternehmens, einer Kultur- bzw. Bildungseinrichtung oder eines Privathaushaltes, lebt immer mehr, von, über und mit Informationen. Dabei geht es beständig um Informationen die entscheidende Vergleiche und Betrachtungen zu Ergebnissen festschreiben, bewertende Kriterien erschließen um jene Entscheidungen herbeizuführen und um die schließliche Schaffung eines möglichst beständigen und wohlgebildeten Komplexes, der sich dem Menschen wohl als Realität zuwendet und dort eine möglichst umfassende Gemeinschaft gleichbetrachtend beheimatet. Informationslogistik wie sie im folgenden verstanden sei, ist dabei das umfassende Geschehen von Informationen jedweder Art; der Austausch derselben wie auch die wahrnehmende Beurteilung bzw. das innere „haftbar machen“.

Das Organon und (unternehmerische) Organisation
Wohl sei richtig, das bewusste Menschen seit Anbeginn ihrer bewussten Existenz Informationen zu verarbeiten und miteinander zu korrelieren haben und ein beispielhafter Blick auf die gesammelten Werke der aristotelischen Lehren eines “Organon“ bzw. des durch den Verfasser bezeichneten Teils „Über die Kategorien“ zeigt: Das was die computergesteuerte Datenverarbeitung heute leistet, basiert auf Überlegungen und Lehren zur menschlichen Bewusstseins- und Wahrnehmungsstrukur mit jahrtausendealter Geschichte und führt zudem glasklar vor: Computerarchitektur und deren informell verarbeitende Logiken, sie entspringen direkt dem menschlichen Geist; die Technik ist dabei bloßes Hüllwerk und Werkzeug und kann es auch immer nur bleiben. Eine künstliche Intelligenz könne dem Menschen vielleicht vereinnahmen, in denen sie jene bewussten logischen Strukturen nachbildet und durch Suggestion dieser Dinge mit Erfolgen glaubhaft machen ließe sie sei dem Menschen voraus. Doch es bleibt dabei: der Mensch unterwirft sich nur - er kann nicht wahrhaft seine Natur ablegen vor etwas das seiner Natur nur informell entspringt und dadurch existiert. Denn auch gilt: Solange etwas künstlich genannt wird, lebt es nur durch jene oder jenen betrachtenden Menschen der es künstlich nennt und begreift; ohne diese Grundlage ergäbe sich kein existenzieller Bezug; doch bis hierher genug zum Thema der künstlichen Intelligenz und deren betrachtende Verwirklichung. Ließt man nun - um beim Beispiel des Aristoteles zu bleiben - nur die ersten Kapitel selbigen Werkes mit einem urmenschlichen Verständnis fort, so vermag sich das Spektrum der Fähigkeiten eines Menschen, fern der reinen Informationsverarbeitung seines Bewusstseins, einen wesentlichen Spalt zu öffnen. Weiser Fingerzeig deutet darauf hin, wo und wie Achtsamkeit und Lebenssinn geraten wäre. Diese Achtsamkeit ist dabei kein Ding das sich eben durch die Mechanismen einer Informationslogistik selbst vollumfänglich steuere, vielmehr ist es sinngebende Saat und Substanz jener gedeihenden logistischen Winkelzüge der dualistischen Gehirnaktivitäten und der computergespiegelten Abbilder derselben.
Zweifelsohne empfiehl sich: man dürfe jenem altgriechischem Verständnis im heute hier und jetzt stattfindenden Informationsgeschehen gerne Beachtung schenken und bräuchte es nicht minder schätzen, wie zu Zeiten als jene Säulen der logischen Betrachtungsweisen von Informationen, ein Aristoteles in menschlich vollumfänglichen Spektrum zu formen verstand und im Lykeion darzulegen vermochte.

Das Unternehmen als städtischer Komplex
Unternehmen die sich nun dem sogenannten Informationszeitalter zurechneten und Ihre Bestimmung (noch) nicht im Bereich einer non-profit organization (NPO) verstehen, richten sich in der Regel auf einen regen informellen Austausch zur Wertschöpfung hin aus, womit sie ihre Prozesse und ihre Strukturen mit jedem denkenden und handelnden Impuls durch fortlaufend geschöpften Wert selbst stärken; metaphorisch ergäbe sich auch ein stadtgleicher Komplex aus Wegen, Reklamen, Lichtern, Aufenthaltsräumen und so weiter. Gedanke und Handlung ließen sich dabei verstehen als etwas das in dieser Stadt irgendwo und irgendwie als Weg existiert und dessen Strecke zu einem Raum führt oder ihn erst noch gestaltbar machen soll bzw. macht.
Gar jedes Zweifeln und jedes Verwerfen von etwas am Wertschöpfendem und an Wert geschöpften ist eine weitere Information; sich irgendwo einfügend, sei es auch vielleicht in Ecken in denen sich Blicke selten einfänden oder sei es spielerisch auf der Theaterbühne karikiert. Jeder Gedanke über Abläufe und Prozesse ist unmittelbar und unausweichlich: Information. Betrachtet sich demgemäß das was alles Information ist, so zeigt sich das Erfordernis ordnender und strukturierender Systeme vielleicht umso mehr und solcher Blick macht eindringlich klar: ab einer gewissen Komplexität der Konfigurationen unternehmerischer und gesellschaftlicher Prozesse, kann sich ein Mitarbeiter und bzw. oder gesellschaftliches Mitglied auch als Mensch (gesundheitlich) in Gefahr bringen. So zeigt sich auch, das nicht nur die Gesellschaft und das Unternehmen verantwortlich sind und dabei für die- oder den Menschen sorgen, sondern das der Mensch für sich selbst zu sorgen hat und im Rahmen seiner Möglichkeiten auf die jeweilige Organisation einwirken dürfe und im Auftrag seiner Berufung auch müsse. Heikel wird es ferner wenn folgende Sachlagen sich prägnanter ausbildet. Erweckt sodann das komplexe Prozess- und Informationsgeschehen vorwiegend nur den Anschein geregelter Mechanismen - ob es nun bestrebt sein mag oder dies auch sein muss und platzieren sich demgemäß kontrollierende Mittel, Ansprüche und Forderungen hinzu, so mehren sich zwangsläufig Irrungen aus scheinbaren Rechtmäßigkeiten und scheinbaren Verpflichtungen. Lebt die Organisation und der Mitarbeiter nun mit jenen Widersprüchen, schleifen sich entweder stille Arrangements in das Geschehen, oder die Umsetzung wird derart eklatant offenporig erscheinen, das der Mitarbeiter stets in eine Richtung falsch handelt kann bzw. muss. Dergestalt verwirklicht sich eine Arbeitswelt der fließenden Bedeutungen, in der von vielen Seite stets ein drohender Anlass im Keime reift, da der Einzelne etwas als potentiell Falsch gemacht, gesagt zu bekommen.
Überdies scheint es auch so, das in den zuvor genannten Umständen jene prozessmäßige Bedeutung oftmals zu ihrem Recht kommt, die am „lautesten Schreit“, die gerade am meisten Befürworter auf der Seite sammelt oder die vielleicht gerade zum rechten Zeitpunkt am rechten Ort der Entscheidung ist; egal die Konsequenz ist: die Bedeutung der Tätigkeit erzielt sich nicht maßgeblich durch gleichmäßig homogen verteilte Sinnmäßigkeit und Klarheit innerhalb der gesamten Organisation, sondern vermehrt durch punktuelle Vollmachten und Hoheiten. Es bilden sich so Fokusstellen der Meinungsbildung und Wahrheitsfindung die nicht mit konventionellen Verantwortungen und einem Vorgesetzen-Dasein zu verwechseln sind, sondern die es unter Umständen vermögen „Realitäten diktieren“; doch hier möchten wir uns im Rahmen dieses Beitrages nicht weiter in hierarchische- bzw. diesbezüglich vermeintlich verwandte Sachverhalte vertiefen. Kommen wir noch einmal zurück zu Aristoteles, bevor wir den Beitrag dann spezifischer am praktischen Beispiels eines Unternehmens das in der Phase umstrukturierenden Geschehens sei, beschließen.


Der Faden der Prozesse miteinander verbindet sei die Bedeutung

Also erneut: Aristoteles und „Über die Kategorien“. Was hat jenes nun mit den gerade erläutert bezeichneten und bedeutungsbeladenen prozessualen Vorgängen eines Unternehmens zu tun?
Um es kurz zu fassen und für den Zweck einzudampfen: Die Bezeichnung entspricht nicht zwangsläufig dem Begriff bzw. der Bedeutung des Wesen.
Genanntes Logik Werk vom Aristoteles war wohl auf dem geschichtlichen Zeitstrahl nicht die erste aller je verfassten Schriften, die derartige Erkenntnis aussagt und das menschliche Bewusstsein zum Sezieren so ausbreitet. Doch scheint sich jene Lehre als Bestandteil für ein derart umfassendes Werk hochgradig logisch erschlossener Mechanismen des Bewusstseins, nur umso bemerkenswerter und vollendender in der Betrachtung eines kognitiven Geschehen zu zeigen.
Kommen wir im Folgenden nun eingehender auf die gegenwärtig wirtschaftenden Strukturen. Unternehmen mögen sich mit ihren Data-Warehouse Systemen, Prozesslandschaften, Audit und Normen, die Bezeichnungen und allerhand bedeutungsschwere Aktivitäten übersichtlich und gesteuert halten und zweifelsohne bedarf es derartiger Unterstützung und Organisation; doch Komplexität und erschwerte Überschaubarkeit von Informationen kann schwerlich mit noch mehr Informationen in Form von Kennzahlen, Prüfresultaten und derlei gelöst werden. Jede zusätzlich streuende und wohl noch unpräzise Information trägt in Zuständen von gefährdeten Informationskomplexe zur Komplikation bei; gefährliche Spekulation und selbst die besten und gütlichsten Intentionen vermögen nichts auszurichten. Organisation die sich zu sichern vermögen, sie verstehen es wohl genau mit denjenigen Adressaten und Informationsbestandteilen zu arbeiten die bereits existieren bzw. dabei nur das aller Notwendigste an neuen aufzunehmen bis die Dinge sukzessive zur Lösung eines widerspruchsfreien Ablaufs gebracht sind. Ansonsten besteht zusätzlich zur existierenden Gefahr, die Gefahr den unerreichbaren Schein einer Lösung inmitten einer unkontrollierten Situation aufrechtzuerhalten und dadurch beständige Zermürbung zu schaffen und weitere nicht kontrolliert gesteuerte Komplexität aufzutürmen. Was sich zeigt ist derart klar zeigt ist doch vornehmlich: die Bedeutungen dessen was sich als Information in Denken und in Handeln zwischen tätigen Menschen und laufenden Prozessen im Unternehmen überträgt, scheint bisweilen nicht im organisatorischen Bewusstsein harmonisiert. Wir verwenden hier wohlüberlegt die Bezeichnung „organisatorisches Bewusstsein“, denn es bedarf unter der schlicht ablaufenden Ordnung von Tätigkeiten, ein umfassendes und miteinander geteiltes Verständnis der richtigen und förderlichen Bedeutung von Abläufen; ihren Ursachen und ihren Auswirkungen. Angst, Bedrängung, Zorn, Täuschung und derleich schädliches Verfahren fände sich wohl übrigens nicht in jener Bedeutungslandschaft eines Unternehmens wieder, das sich auf förderliches Wachstum und Nachhaltigkeit auszurichten versteht.
Ohne dieses bezeichnete Bewusstsein, wird hier und dort etwas getan, etwas gesagt, etwas verstanden und es wird etwas in Zahlen und Resümees gefasst; aber: ist dieses etwas, etwas das die Menschen entlang des gesamten Prozessfadens bzw. des Prozessnetzwerkes verstehen, verstehen können oder noch verstehen wollen?
Verliert die Prozesskette bzw. die Prozesslandschaft in Teilen oder im Ganzen, eine Verbindung zwischen gemeinsamer Bezeichnung und unzweifelhaft richtiger Bedeutung, welche sich mit Empfindungen und Assoziationen in gedanklichen Räumen befindet könnte, dann dürfte die Organisation insgesamt als gefährdet bezeichnet sein. Diese organisatorische Gefährdung verbindet und verknotet sich auch gerade für den einzelnen Mitarbeiter mit jenem zuvor erläuterten - stets latent möglichen Anlass des individuellen Fehlens aufgrund fließender, punktueller Bedeutungen die wie willkürliche Inseln im Meer schwimmen; es wirkt zusätzlich verkomplizierend.

Dies sei der erste Teil eines zweiteiligen Beitrags. In einem zweiten und abschließenden Teil werden konkrete Methoden aufgeführt mit denen eine prozessuale Restrukturierung (als Beispiel für komplexe und standardisierte Informationslogistik) erfolgen kann und es werden dabei erfahrungsgemäße Herausforderungen und Empfehlungen beschrieben, mit denen sowohl das operative Geschehen, als auch die strategische Ebene, sich förderlich im Sinne der gemeinsamen Wertschöpfung strukturiert.

Bilder: New Old Stock(CC0)

Weiterführende Informationen: -

“Warum ferne Ziele suchen wenn die gesuchten Dinge auf dem Weg liegen?”