No-Reply

01 Dezember 2016

Wer kennt´s: Hin und wieder spült es die ein oder die andere E-Mail in ein elektronisches Postfach, der Absender wird dabei mit Seriosität in Verbindung gebracht und bereitwillig nimmt der Empfänger das Geschriebene an um den Absender nicht unbeachtet zu lassen.
Erkennt der Empfänger der Nachricht dann Klärungsbedarf, beispielsweise weil Informationen lückenhaft, unbestimmt oder schlichtweg unzutreffend vom Absender verstanden und angenommen sind, sucht der zum gemeinsamen Verständnis geneigte Empfänger wohl unmittelbar Kontaktaufnahme mit dem Absender- zwecks Klärung.
Drückt der Klärungswillige sodann auf „Antworten“, „reply“ oder dergleichen, so stellt jener vielleicht fest: der originäre Absender ermöglicht dem Empfänger weder Frage, Antwort, noch Mitteilung in Bezug auf sein Gesendetes. No-Reply: Keine Rückäußerung.

Tätigt ein Absender eine Äußerung in Form von Text und er äußert seine Anschauung im Rahmen des Textes dabei aber nicht verständlich genug für den Empfänger, dann ist das Anliegen des Absenders nicht bedeutend mitgeteilt. Erlaubt sei an dieser Stelle der sinngemäße Verweis auf eine NLP Vorannahme, so in etwa: Die Bedeutung der Kommunikation liegt für den Absender einer Information in der erhaltenen Rückmeldung bzw. dem gebildeten Empfänger- Verständnis zu dieser (nicht allein in der Intention oder der Vorstellung die ein Absender davon hat). Läge Letzteres (Eingeklammertes) nämlich vor, wäre Kommunikation nicht mehr als eine Einbahnstraße auf der ein stärkstes und robustestes Modell die Weiterfahrt erhält, ohne gemeinsamen Zweck (nachhaltig) erreicht zu haben. Egoistisch, gewalttätig und sinnlos vom gemeinsamen Standpunkt her darf man es wohl nennen, wenn ein Kommunikator zwar etwas von einem anderen Kommunikator möchte, ihn dabei aus eigener Notwendigkeit schon als existent in seiner Vorstellung erhalten muss, ohne ihn aber zu einer gleichbedeutenden bzw. gleichrangigen Existenz kommen zu lassen.
Was tut ein Absender, der sich bestimmt an einen Empfänger richtet, sich dabei unverständlich äußert und der dabei dem Empfänger eine eigene (Rück)-Äußerung verweigert? Nicht nur scheint die Kommunikation den bedeutenden Zweck verfehlt zu haben, außerdem beansprucht jener Absender ein Recht, das er dem Empfänger doch verweigert.
Also weiterhin: Verweigert ein äußernder Absender, seinem bestimmten Empfänger eine (Rück)-Äußerung indem er ihn klar zu verstehen gibt: NO (Reply), dann treibt der betreffende Absender- ob direkt oder indirekt- den vorgenannten Egoismus bzw. die Gewalt und die Sinnlosigkeit im Falle eines seinerseits falschen Verständnisses, zu einem entgegenstrebendem Maximum. Grund: Indem der originäre Absender die Möglichkeit verstellt, etwaige Unklarheiten korrigieren und harmonisieren zu lassen um eine Kommunikation bedeutend und zweckerfüllend zu machen, zementiert sich der Fehler in einen anzunehmenden Zwang.
Der Empfänger, der an die Mitteilung und an ein gemeinsames Kommunikationsverständnis glaubt, erhält vielleicht im übertragenen Sinn einen Betonsockel an den Fuß gelegt. Der zur Klärung bereitwillige Empfänger, welcher Zeit und Kraft aufbrachte dem Absender in seinem Ansinnen gerecht zu werden, bleibt als Betroffener, beschwert von auferlegten Irrtümern zurück und sinkt relativ mit seinem Glauben an die vorgenannten Dinge, in ein Meer der nicht- füreinander und nicht- miteinander wirkenden Dinge.
Also: Jemand der Kommunikation als gemeinsame Angelegenheit zwischen lebenden, gleichrangigen Personen versteht und eben daran glaubt, scheint im Falle des Vorgenannten gezwungen, als Abladezone von Irrtümern und egoistischen Bestrebungen zu fungieren.

Was bleibt nun übrig? Man kann vielleicht nach alternativen Kontaktwegen suchen; dabei niemals sicher ob der Absender des originär Geschriebenen wirklich Kenntnis erhält. Es bleibt unbestimmt; der wirkliche Absender scheint verschwunden, getarnt oder untergetaucht unter anderen Hotline Nummern, Kontaktformularen, etc.
Dabei ist auch zu verstehen: die Richtungsweise eines Anliegen hat gedreht; verstand man ursprünglich den originären Absender als denjenigen, der ein Anliegen hat (auf das man ja nicht einfach nur antworten kann um kommunikativen Anschluss zu finden), so ist nun der Empfänger mit einem Anliegen beladen; nämlich: um einen Kontaktweg zu finden auf welchen jemand für das Anliegen zuständig scheint, sich ggf. Autorisierungen unterziehen (ala: nenn mal bitte Geburtsdatum,…), das originär Gesendete verständlich machen, das originär Gesendete ggf. richtigstellen und noch eine eigene Äußerung hinzufügen.
Dem Außenstehenden erscheint es dann so, als würde der originäre Empfänger (der sich selbst ja immer noch so fühlen muss), die Sache ursächlich verantworten; mehr und mehr verschiebt sich das initiale Anliegen so in den Verantwortungsbereich des Empfängers. Jener übernimmt durch seinen Glauben an die Dinge nicht nur die Last eines etwaigen Irrtums und der mangelnden Verständigung, vielmehr trägt er die Dinge auch im erkennbaren Eindruck, er hätte ihn selbst verursacht.

Das Vorgenannte ist eine Gleichnis- bezogene Sichtweise, die tendenziell vielleicht auf äußerer Betrachtung und Wertung basiert. Eine wissenschaftliche, eher analytische Sichtweise, die Ursachen und Wirkungen untersucht, erklärte sich vielleicht mittels eines sogenannten „Hit and run“. Eine Wirtzelle steht als Absender einer unverständlichen Sache kurz zur Verteilung von Irrtümern (im Rahmen der Email Sendungen) zur Verfügung und verschwindet dann unerreichbar. Die Verteilung der fortwirkenden Irrtümer obliegt dann den klärungswilligen Kommunikatoren (indem sie versuchen das Geschehen als ihr eigenes Anliegen irgendwo verständlich zu machen und zu klären).

Steht die Sichtweise dieses Absatzes und jenes Absatzes nun auf unterschiedlich scheinendem Territorium, so befassen sie sich doch mit einer gemeinsamen Sache. Dort beladen und schultern die Dinge und dort erkranken und heilen die Dinge; so glaubt man. Was aber am Grunde übrig bleibt und die Anschauung schafft ist weder in der Einen, noch der Anderen Anschauung abschließend zu finden. Beide stehen, um auf den Sinn der Kommunikation selbst zurückzukommen, gleichrangig mit- und nebeneinander.
Aber gibt es vielleicht doch einen wesentlichen Unterschied in der wirkenden Betrachtung? Vielleicht: Während dieses die Sache im Sinne des füreinander Tragen auffasst, fasst jenes die Sache als erforderliche Heilung einer Krankheit auf. Dieses lebt miteinander durch bekennendes Fortragen der Dinge- wie sie auch seien- und jenes lebt miteinander durch bekennende Strebung, eine leidgebundene Krankheit zu heilen. Fürsorge ist ihnen wohl gemein. Scheint diese fürsorgende Liebe vielleicht unbekümmert, scheint jene fürsorgende Liebe bekümmert. Die Liebe ist hier und dort, nicht an Anschauung gebunden, in ihrer Verwirklichung aber beansprucht und manifestiert durch Sicht und in die Welt getragen dort fortentwickelt zur vollendeten Form.
Scheint das Zusammenfinden jener gleichrangigen, übereinstimmenden Kommunikation schon innerhalb der Sichtweisen eine gewisse Aufgabe zu sein, so ist ein Sichtweisen- umfassendes Verständnis, vielleicht eine weitere Ebene. Demgemäß bedarf es der Fähigkeit zu sagen: ich verstehe dich hier wie dort, weil ich dich hier wie dort liebe und wo auch immer wir sind, auch dort werden wir uns verstehen und lieben. Diese Aussage erlangt ihre umfassende Tragweite in Hinblick auf den umfassend einenden Aspekt der Anschauungen und ist innerhalb wie außerhalb nur in Übereinstimmung.

Um diesen Beitrag nicht als etwaige „Einbahnstraße“ erscheinen zu lassen und um den gemeinschaftlich- orientierten Sinn herauszustellen wird angemerkt, dass kein Absender (persönlichen) Anstoß an dem vorgenannt Erklärten nähme; vielmehr möchte der Beitrag „friedfertig“ den Mechanismus bzw. das kommunikative Geschehen diesbezüglich kommentieren und ausschließlich zum Förderlichen stimulieren; so einend und gemeinsam wie es aufgrund der Erfahrungen eben möglich gemacht ist.

Zu guter Letzt noch einige Fragen und Antworten:
Frage: Wäre das erklärte „No-Reply“ Gebaren zu verbuchen unter: SPAM (Etikette: Jemand hat eine Buchstabenkombination übermittelt, danke an die Alphabetisierung)?
Oder gibt es bessere Wege? Beispielsweise indem die Sache gar zur einer Kräftigung einer gemeinschaftlich- orientierten, gleichrangigen Kommunikationsform transformiert wird?
Können wir derartiges nutzen um unser Verständnis füreinander zu fördern; um Strukturen zu unterstützen, die, bevor sie etwas zur Mitteilung bringen, Sorge dafür tragen, dass ein Mitgeteiltes von den Empfängern verstanden werden kann, das es hinreichend erklärt werden kann und die (Rück)-Äußerungen diesbezüglich, direkt anzunehmen erlauben wie berücksichtigen?
Wäre ein offener, den Menschen zugewandter Blick, ohne Absicht einer einseitigen Sache, also ein Blick der erst einmal rein verbunden ist mit der zwischenmenschlich Verständnis- schaffenden Frage: „Wie können wir uns gemeinsam mitteilen?“, nicht etwas dessen Erforderlichkeit aus „No-Reply“ Erfahrungen verursacht wird? Eine grundlegende Frage die angezeigt wird von den Fragen die eigentlich darauf basieren müssten; es aber erwiesenermaßen nicht tun.
Die unterdrückt scheinende Möglichkeit zum Handeln, ist einer freien Handlung Anlass.
Abschließend: Insbesondere vielleicht auch mit Bezug auf die beiden erklärten Anschauung- Terrains sei die grundlegende Frage eines „wie können wir uns verstehen“, in ihrer Relevanz eindrucksvoll dargestellt. Verstehen meint hier nicht nur ein Verstehen innerhalb einer erfahrenen Sicht und ihres umschlossenen Gepräges, sondern auch das schließliche anfügende Verstehen von Sicht zu Sicht; vielleicht kann man auch sagen: das einende Licht; insbesondere knüpft dies auch wieder an dem Ausgesagten im Mittelteil an.

Bilder: New Old Stock(CC0)

Weiterführende Informationen: -

“Warum ferne Ziele suchen wenn die gesuchten Dinge auf dem Weg liegen?”